Unser Verein
100 Jahre KLZV Oberriexingen
„Glut am Glühen halten!“
Gelungenes Festprogramm des viertältesten Oberriexinger Vereins
Viele Geburtstagsgäste von nah und fern folgten am Wochenende der Einladung zum 100jährigen Jubiläum der Kleintierzüchter und strömten in die Oberriexinger Festhalle, wo sich feierliche Reden und Ehrungen mit musikalischen Beiträgen und lustigen Sketchen abwechselten.
Nach schwungvollen Eröffnungsklängen der befreundeten Stadtkapelle Oberriexingen und einer kurzen Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden, Achim Hohn, übernahm das langjährige Mitglied Peter Fischer die weitere Moderation des Abends. In kurzweiligen, historischen Rückblicken erinnerte er an das Gründungsjahr 1910, als sich auf Veranlassung von Pfarrer Leitze aus Unterriexingen 29 Gleichgesinnte zusammentaten, um den Geflügel-, Vogel- und Kaninchenzuchtverein Oberriexingen aus der Taufe zu heben. In Vertretung von Bürgermeister Werner Somlai ergriff Stadtrat Kurt Benz das Wort. Auch er ließ einige wichtige Eckpunkte aus der Vereinschronik Revue passieren und stellte fest, dass sich zwar die Grundlage der Kleintierzucht mittlerweile verändert habe - nach der wirtschaftlichen Notwendigkeit der Kleintierhaltung im letzten Jahrhundert liege der Schwerpunkt nun auf Rasse und Klasse, Qualität und Eleganz. Dennoch sei der Grundgedanke, nämlich die Beziehung und Freude zum Tier und die enge Verbindung zur Natur, noch immer der gleiche. Deshalb versichere die Stadtverwaltung dem Verein auch weiterhin ihre Unterstützung. Diesen Worten folgte in Form eines Jubiläumsschecks über 500 € sogleich die Tat.
Mit ihrem Liedbeitrag „Wir feiern ein Fest der Freude“ sprach der Gesangverein Vulkania dann nicht nur den Gästen, sondern auch dem nachfolgenden Redner aus dem Herzen. Denn Lars Schmidmeister als Vertreter des Landesverbands der Kaninchenzüchter Württemberg-Hohenzollern zeigte sich neben dem Chorbeitrag von der langen Vereinstradition des „nicht kleinen, aber feinen Z 155“ (so der interne Namen des KLZV Oberriexingen) beeindruckt, der mit seiner starken Jugendgruppe sehr gut für die Zukunft aufgestellt sei. Mit einem Zitat von Jean Jaurès ermutigte er insbesondere im Zeitalter von unerlässlichem Umwelt- und Naturschutz zum weiterem Engagement: „Tradition pflegen heißt nicht, Asche aufzubewahren, sondern Glut am Glühen zu halten!“ Der Landesverbandsvorsitzende der Rassegeflügelzüchter, Hans-Peter Wagner, würdigte ebenfalls die Jubilare und appellierte an sie, ihrem Hobby treu zu bleiben, obwohl dies in Zeiten von Vogelgrippe und immer schwierigerer Geflügelhaltung in Wohngebieten nicht einfach sei. Für den Fortbestand des Vereins sei deshalb außer der bereits geleisteten, soliden Nachwuchsarbeit der Bau einer Gemeinschaftszuchtanlage mittelfristig notwendig. Aber das habe man ja in Oberriexingen bereits erkannt. Nach Überreichen einer Ehrengabe des Kreisverbands durch dessen 2. Vorsitzenden, Karl-Heinz Öhler, zollte auch Willi Schönleber in seiner Funktion als Vorstand der Aquarienfreunde Hohenzollern den Kleintierzüchtern seinen Respekt für den Zusammenhalt des Vereins über solch lange Zeit. Er bescheinigte der jüngsten Sparte des KLZV ebenfalls ein sehr großes Engagement.
Die Wassertiere waren denn auch ein Thema von „zwei Frauen im Gespräch“, die sich auf der Festbühne zum Friseurtermin trafen und ausführlich die Stadtereignisse kommentierten. „I hab nur Fisch daheim. Die send pflegeleicht on mache net so a Geschrei!“, so eine der beiden Damen, die von Brigitte Roller und Andreas Weis perfekt in Szene gesetzt wurden. Auch die geplante Gemeinschaftszuchtanlage wurde reflektiert und dabei zunächst mit dem im Bau befindlichen Betreuten Wohnen verwechselt. Doch hier konnte schnell aufgeklärt werden: „In die oine bringscht du Sache, die du dahoim net halte koscht, un in die andre bringschte Sache, die du dahoim net halte willscht!“ Auch dass es bei den Ausstellungen des KLZV nicht nur um Zucht und Ehre gehe, wussten die beiden zu berichten. So sei einem Hasen beim Frisör ein fehlender Punkt eingefärbt worden, damit sein Züchter doch noch einen Preis habe abstauben können. Bei so viel Lokalkolorit blieb im Publikum verständlicherweise kein Auge trocken.
Anschließend schritt man zu den Ehrungen von 21 langjährigen Mitgliedern, die maßgeblich am Erfolg des Vereins beteiligt sind: Sabrina Schmidt, Bernd und Martin Dais, Wolfgang Dettinger, Herbert Grotz, Ulrich Hees, Frank Hohn, Michael Kühnle, Florian Ott, Steffen Reiff und Gerd Schüle wurde dabei die Silberne Ehrennadel des Landesverbands der Rassekaninchenzüchter verliehen. Paula Feike erhielt sogar die Goldene Ehrennadel ebenso wie in der Sparte Geflügelzucht, wo auch Otto Appl, Alois Mathe und Helmut Hornung (zusätzlich Silber Rassekaninchen) mit der höchsten Auszeichnung bedacht wurden. Die Silberne Ehrennadel der Rassegeflügelzüchter wurde außerdem Margret Appl und Clemens Schüle überreicht, ebenso Rudi Krebs und Bernd Langhans, die in beiden Sparten geehrt wurden. Eine Urkunde für besonderen Einsatz im Verein gab es zudem für Kurt Essich. Den feierlichen Höhepunkt stellte jedoch die Auszeichnung des Ehrenvorsitzenden Rudi Feike mit der Bundesehrennadel in Gold für seine besonderen Verdienste um die Geflügelzucht dar. Im Namen aller Geehrten bedankte sich Florian Ott mit einem ganz besonderen Geschenk. Damit das schmucke Vereinsheim künftig nicht mehr mit einem Sportlerheim verwechselt wird, stiftete er einen stolzen Hahn als Firstschmuck, der nun den Sitz der Kleintierzüchter markieren wird.
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Scheckübergabe der Stadt Oberriexingen durch Kurt Benz an den Vorsitzenden der Kleintierzüchter, Achim Hohn (li.)
Die Geehrten auf einen Blick
Achim Hohn freut sich über das neue Vereinssymbol
"2 Frauen im Gespräch"
Ein weiterer Sketch von Brigitte Roller und Andreas Weis brachte die vollbesetzte Festhalle zum Toben.
„Liebe zum Tier und zur Natur“
Oberriexinger Kleintierzüchter feiern ihr 100jähriges Bestehen
Achim Hohn, der 1. Vorstand der Oberriexinger Kleintierzüchter, ist sichtlich erleichtert, dass alles rechtzeitig geklappt hat für die große Geburtstagsfeier am 25. September in der Festhalle. Denn in den letzten Wochen vor dem 100jährigen Jubiläum des Z 155, so die offizielle Bezeichnung im Landesverband, sei es doch ganz schön rund gegangen im Vergleich zum ansonsten recht beschaulichen Vereinsleben, berichtet er schmunzelnd. Dieses hält nämlich gerade einmal vier feste Termine im Jahreskalender bereit: Neben dem Eiersuchen am Ostermontag die Jungtier-Werbeschau im Juli, ein Haxen-Essen sowie die Lokalschau im November. Ergänzt werden diese Aktivitäten durch vier erfolgreiche Fisch-,Reptil-+ Pflanzen-Börsen und durch die Besuche von Kreis-, Landes- und Bundeswettbewerben. „Hier haben wir mit unseren zahlreichen Rassen schon viele Preise gewinnen können“, freut sich Hohn. „Zur Zeit hat der Verein 105 Mitglieder – darunter 19 Ehrenmitglieder und 25 Jugendliche - , die sich jeden zweiten Freitag im Monat treffen und sich um die Haltung und Züchtung von Kaninchen, Hühnern, Tauben, Ziervögeln, Aquarienfischen und Reptilien kümmern.“
Wie alles vor 100 Jahren anfing und sich bis heute entwickelte, dokumentiert die Festschrift, die eigens zum Geburtstag unter Federführung von Hermine Heckl, der 2. Vorsitzenden und Börsenwart der Aquarianer, entstanden ist. Da erfährt man beispielsweise aus der Chronik, dass der KLZV am 19. Februar 1910 nach Feuerwehr, Gesang- und Turnverein als vierte Oberriexinger Hobbygruppierung von Gustav Motzer und 18 weiteren Gründungsvätern ins Leben gerufen wurde. Mit dem Versprechen „die ganze Kraft einzusetzen und mit Eifer das Werk zu beginnen“ sowie in der Hoffnung auf ein „gutes Gelingen“ ging man damals auseinander. Der Verein überlebte die beiden Weltkriege und die schwierigen Phasen danach: „Viele Sorgen und Nöte waren in dieser Zeit zu überwinden - Armut und Hunger, verursacht durch die Kriege. Es fehlte zu der Zeit an allem, da war die Kleintierzucht ein Muss, um die Sorgen und Nöte zu lindern.“ Am 27.10.1951 folgte die Gründung einer Jugendgruppe, die zunächst aus vier Nachwuchszüchtern bestand – darunter auch der heutige Vorstand, Achim Hohn, der als zehnter Vorsitzender seit 2002 im Amt ist. Ein besonderer Meilenstein war der Bau des ersten Vereinsheims in der Großmoltenstraße, der sogenannten „Killesberger Halle 6“ von 1961-1962, was die Geselligkeit im Verein weiter förderte. So wurde dort beispielsweise 1963 ein lustiges Hahnenwettkrähen organisiert. Als die Stadt ein Neubaugebiet am Vereinsheim plante, entschlossen sich die Kleintierzüchter zum Umzug und bauten von 1980-1984 in Eigenregie unter Aufbietung aller Kräfte ihren jetzigen Vereinssitz in der Mühlstraße. Dieser wird von den Oberriexingern liebevoll als „Haseduderle“ bezeichnet und gerne auch für externe Feierlichkeiten samt bewährtem KLZV-Küchenteam angemietet. Nach und nach öffnete sich die traditionell männliche Domäne dann auch für interessierte Frauen; zunächst in Form von Frauentreffen unter Leitung von Margret Appl, die Sketche und Theaterstücke aufführten und damit für noch mehr gute Stimmung und Zusammenhalt sorgten. Mittlerweile gibt es auch preisgekrönte Züchterinnen im Verein, unter anderem bei den Aquarianern, die seit 2003 Teil der Truppe sind. Überhaupt genießen die Oberriexinger in den jeweiligen Rassezüchter-Landesverbänden ebenso wie bei den befreundeten Vereinen einen sehr guten Ruf und wünschen sich zur weiteren Qualitätssteigerung eine eigene Zuchtanlage in den nächsten zwei bis drei Jahren.
So kann Achim Hohn stellvertretend für seine Vereinskollegen und –kolleginnen mit „Stolz und Freude auf ein Jahrhundert Kleintierzuchtverein Oberriexingen“ zurückschauen. Obwohl der Verein mit vielen anderen Freizeitmöglichkeiten zu konkurrieren habe und die Kleintierhaltung durch die baulichen Einschränkungen immer mehr erschwert werde, „bleibe der Hauptbeweggrund früher wie heute derselbe: Die Liebe zum Tier und zur Natur.“ Deshalb lautet sein Appell für die Zukunft: „Dies müssen wir auch unbedingt an unsere Jugend weitergeben, damit die Kleintierzucht in ihrer ganzen Schönheit, aber auch Verantwortung erhalten bleibt!“
Text und Bild Fr. Gergen
